L-Tyrosin: Die Aminosäure für mehr Stressresistenz

Allgemeines zu L-Tyrosin

L-Tyrosin ist eine nicht-essentielle Aminosäure. Das bedeutet: Sie ist in vielen Proteinen enthalten und kann im Gegensatz zu essentiellen Aminosäuren selbst vom Körper hergestellt werden. 

Das Synthese-Produkt wird als Vorstufe des L-Phenylalaninin in der gesunden Leber gebildet. 

Eine zusätzliche Aufnahme ist nur in bestimmten Situationen notwendig, wenn z.B. der Bedarf durch Stress oder Krankheit erhöht oder die Produktion aufgrund einer Lebererkrankung eingeschränkt ist. Auch bei sportliche hohen Belastungen kann zusätzliches L-Tyrosin Sinn machen.

Kommerziell ist L-Tyrosin als Supplementation in Kapseln, Tabletten, Granulaten sowie in wasserlöslichem Pulver verfügbar. 

L-Tyrosin-Wirkung

Durch die Bildung von Dopamin kann Tyrosin die Denkleistung, Reaktionsschnelligkeit und Konzentration verbessern. Zudem scheint es in extremen Situationen wie starken psychischen und physischen Belastungen stressresistenter zu machen und Stress zu reduzieren.

Die meisten Studien, die die Auswirkungen von L-Tyrosin in der Vergangenheit bewerteten, basieren auf Untersuchungen des US Army Research Institute und andere Armeeinstituten. Dabei haben sich die Studien hauptsächlich auf kognitive Aspekte während Stresssituationen für den Körper wie Kälte, Hitze und Hypoxie konzentriert.

Bei einer der aktuelleren Studie aus dem Jahr 2007 untersuchte die U.S. Army, ob Tyrosin die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern kann. 

Dazu mussten 15 Probanden zunächst einen Kontrollversuch in warmem Wasser absolvieren und dann zweimal mit einem Abstand von einer Woche in einem Kaltwasserbecken tauchen. Nach dem Wasserbad galt es dann, Denkaufgaben zu lösen und sich an einem Schießstand zu beweisen. 

Vor beiden Durchgängen bekamen die Testpersonen entweder einen Riegel, der Tyrosin enthielt (300 mg/kg Körpergewicht), oder einen Placebo. 

Beim Versuch ohne Tyrosin sank die Körpertemperatur der Teilnehmer durch das kalte Wasser durchschnittlich um 1,6 Grad. Beim Versuch mit einem Placebo schnitten die Teilnehmer außerdem durch die geringere Körpertemperatur bei den Denktests um 18% und beim Schießtest um 14% Prozent schlechter ab als nach dem warmen Testbad zu Beginn. 

Das interessante dabei: Hatten die Probanden vorab Tyrosin zu sich genommen, konnten keinerlei negative Auswirkungen auf die Leistung bei den Tests mit Kälte festgestellt werden.

Zu dem Ergebnis, dass eine zusätzliche Aufnahme mit Tyrosin wirksam sein kann, kamen auch andere, vergleichbare Studien. 

Eine sehr ähnlich angelegte Untersuchung, bei der Probanden ebenfalls ein Tauchgang bei milder (35 Grad) und kalter (10 Grad) Wassertemperatur absolvierten, fand außerdem heraus, dass die Placebo-Studienteilnehmer, die ins kalte Wasser mussten, nicht nur subjektiv mehr Stress empfanden. 

Sie hatten auch mehr Stresshormone, also Cortisolwerte, ausgeschüttet. Die Teilnehmer, die vor ihrem Tauchgang ins 10 Grad kalte Wasser Tyrosin zu sich genommen hatten, zeigten dagegen keine Leistungsunterschiede im Vergleich zum Warmwasser-Tauchgang. 

Wie lässt sich die Wirkung von L-Tyrosin erklären?

Die Aminosäure Tyrosin ist sozusagen die Vorstufe von den sogenannten natürlichen Katecholamine Dopamin und Adrenalin. Dopamin dient hierbei hauptsächlich als Neurotransmitter und ist dafür bekannt, das Gehirn leistungsfähig zu halten. 

Bei Kälte kann es passieren, dass ein Mangel an diesen Katecholaminen entsteht. Die Einnahme von L-Tyrosin ist in der Lage, diesem Katecholamin-Mangel vorzubeugen.

Einige Studien haben weiterhin festgestellt, dass in Stresssituationen, in denen Noradrenalin (ein im Mark der Nebenniere sowie im Nervensystem gebildeter Botenstoff, der auch zu den Katecholaminen gehört) eine schützende Wirkung ausübt, die Zufuhr von L-Tyrosin eine Art „Sicherheitspuffer“ von Bausteinen zu bieten scheint. 

Dieser Puffer kann die Anti-Stress-Wirkung von Katecholaminen verlängern, indem ihr Abbau verzögert wird. 

L-Tyrosin-Dosierung

Bislang gibt es keine Zufuhr-Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für L-Tyrosin.

Studien, die eine Anti-Stress-Wirkung von L-Tyrosin getestet haben, verwendeten einen Dosierung von 100 bis 150 mg/kg Körpergewicht, welche 60 Minuten vor dem Training eingenommen werden kann. 

Bei höheren Mengen von beispielsweise 300 mg/kg Körpergewicht, ist es ratsam, zwei Dosierungen mit einem Abstand von vier Stunden zu sich zu nehmen. 

Gute natürliche Tyrosin-Lieferanten sind Erdnüsse, Erbsen, Sojaprodukte sowie Fleisch und Käse.

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